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Vom Lieben und Lieben lassen – ohne zu kommen

Zwar kann man auch ohne Orgasmus tollen Sex haben, ganz so easy ist das Leben mit primärer Anorgasmie dann aber doch nicht. Ich bin damit immer sehr offen und ehrlich umgegangen. Einen Orgasmus vorzutäuschen, das hätte ich meinen Partnern gegenüber als unfair empfunden. Am Anfang ist es ja auch nicht ungewöhnlich, dass die Frau nicht kommt. Spaß hatte ich ja dennoch dabei. Und dann, wenn’s langsam ernst wurde und sich eine Beziehung anbahnte, erzählte ich es: „Ich weiß nicht, was ein Orgasmus ist. Ich kann einfach nicht kommen.“ Oft glaubte der Mann, mich „heilen“ zu können („Baby, da bist du bei mir richtig … I’m Mister lover lover.“ – nee, hehe, sowas hat keiner gebracht). Und ich glaubte oder hoffte auch, dass es mit diesem Mann besser würde.

Unser Sexleben kam meistens ungefähr ein Jahr lang ganz gut damit aus, dass ich keinen Orgasmus hatte. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: Man probiert Einiges aus, der Appetit auf den Anderen überkommt einen an den exotischsten Orten – es ist aufregend. Doch nach einigen Monaten flacht der Hormontrip ab. Der Mann fühlt, dass seine „Heilungsmission“ scheitert. Und auch mir reicht der empathische Orgasmus nicht mehr. Es langweilt mich, ihn über, unter oder hinter mir extatisch zusammensacken zu fühlen, während ich auf meinem Ätna der ErregungAmore sitzen bleibe. Und der Ätna will einfach nicht ausbrechen.

Der Sex frustriert mich, und um meinen Frust zu vermeiden, vermeide ich die Lust. Mein Partner spürt meinen nachlassenden Enthusiasmus im Bett. In Gesprächen wird unsere Hilflosigkeit deutlich. Ein paar Versuche mit Champagner und Kerzenlicht oder andere mehr oder weniger einfallsreiche Eskapaden bringen leidenschaftliche Momente. Sie lösen aber nicht das Problem.

Ich fragte mich dann, wie lange es noch gut gehen würde. Wann hätte mein Partner mal wieder Lust auf eine Frau, die abgeht wie eine Rakete in der Silvesternacht? Könnte ich ihm einen Seitensprung verdenken? Oder lag es vielleicht doch an ihm? Sollte ich mir vielleicht einen anderen suchen, der es mir endlich mal wirklich besorgt? Wie wäre es mit dem schwitzenden Bauarbeiter da drüben?

Meine Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet (ok, zumindest nicht, dass ich wüsste). In den Beziehungen, auf die ich zurückblicke, fanden wir andere Wege der Intimität. Der Mensch ist ein homo compensator. Ich bin meinen Partnern sehr dankbar für ihr Verständnis und ihre Geduld. Andererseits hatte ich auch viel Geduld und Verständnis mit ihnen.

Ich habe mich dazu entschlossen, die Suche nach dem Höhepunkt wieder zu starten. Ich tue das nicht für meinen Partner. Naja, ein bisschen schon. Aber nicht aus Angst, verlassen zu werden. Ich tue es für mich. Weil ich nicht aufgeben möchte.

Foto: photino, "Amore"
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Quelle: www.piqs.de

„Es gibt für Frauen auch tollen Sex ohne einen Orgasmus“

Den Satz, der die Überschrift bildet, las ich in dem Blog Der Anna Code. Dort bekommen Männer auf der Suche nach Verführungs-Tipps einigen Input.

In einem durchaus empfehlenswerten Post gibt der Autor eine Anleitung, wie man Frauen zum Höhepunkt bringt. Er räumt dabei jedoch ein – und dafür lobe ich ihn ganz ausdrücklich – , dass es auch Frauen mit Orgamusproblemen gibt und widmet ihnen immerhin drei Abschnitte. Darin schreibt er:

„Wenn du merkst, die Frau kommt nicht zum Orgasmus, dann hör auf, sie wund zu scheuern, es gibt für Frauen auch tollen Sex, ohne einen Orgasmus zu bekommen.“

Diesen Satz hätte ich nie so formuliert, und doch spricht er mir wirklich aus dem Herzen. Ich habe jenes sicher gut gemeinte „Wundscheuern“, das ausdauernde Manifestieren von Stehvermögen, mit dem ein oder anderen Sex-Partner erlebt. Natürlich ist es dann an der Frau, klar zu signalisieren, wann es gewünscht ist, dass der andere einfach mal kommt. Und in vielen Momenten war das Spüren des Anderen, der in mir vollkommen aufgeht in seiner Lust, ebenfalls ein tolles Gefühl. Ich nenne es den empathischen Orgasmus.