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Ok, nun also zu dem großen Geheimnis: Wie bin ich nach Jahrzehnten endlich zu meinem Höhepunkt gekommen?

Es war am Ende meines Weihnachtsurlaubs. Ich hatte sehr entspannte Tage hinter mir, lag abends im Bett und es kribbelte zwischen meinen Beinen: Lust. Ich begann, mich zu streicheln und konzentrierte mich dabei, wie ich es in der Körperarbeit gelernt hatte, auf mein Atmen. Ich versuchte, an nichts zu denken. Nicht an irgendwelche Erledingungen, nicht an den vergangenen Tag, nicht ans Kommen. Ich war sehr erregt, aber versuchte irgendwie, nicht über meine Erregtheit nachzudenken, sondern immer weiter ruhig zu atmen. Im Kopf hatte ich plötzlich den Satz: „Ich muss keine Angst haben.“ Dabei war nicht eine Angst vor dem „Loslassen“ oder dem Orgasmus gemeint, sondern die Angst davor, nicht zu kommen und wieder frustriert zu sein und mich unfertig zu fühlen.

In der Körperarbeit hatte die Therapeutin an mir beobachtet, dass ich, immer wenn ich emotional sehr bewegt war, ganz fest in meinem Brustbereich wurde. Sie nannte es „das Brett“. Es legt sich über den Bereich ganz am Ende meines Brustbeins und fühlt sich tatsächlich an, als ob ich mich da versteinere. Meine Atmung wird dann ganz flach. Ich spürte, dass sich mit steigender Erregung dieses Brett bildet. Ich achtete darauf, locker zu bleiben und meine Atmung fließen und nicht flach werden zu lassen.

Langsam verformte sich der Gedanke „Ich muss keine Angst haben“ in einen neuen Satz: „Ich habe keine Angst.“ Ich massierte abwechselnd meine Klitoris und meinen G-Punkt. Die Innenseiten meiner Oberschenkel begannen zu zittern. Aber das hatte ich schon oft erlebt, ohne dass es dann weiterging. Auf einmal merkte ich, dass etwas aus mir herausfloss; ich wollte es aufhalten, weil ich es für Urin hielt. Dann dachte ich, ist egal, lass es fließen. Und plötzlich fühlte ich diese kleinen Vibrationen in mir drin, als sei ich ein Instrument, dessen Saiten von innen zum Schwingen gebracht werden. Nicht besonders heftig, aber dennoch erlösend und zutiefst befriedingend. Ich komme.

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Eine Welle von Glück machte sich in mir breit und auf meinem Gesicht erschien ein Grinsen, das ich dann für die nächsten Stunden nicht mehr weg bekam.

Später roch ich an der seltsamen Flüssigkeit, und der Geruch erinnerte mich eher an Muttermilch und hatte gar nichts von Urin.

Ein oder zwei Tage später versuchte ich es wieder – allein. Es klappte wie beim ersten Mal, nur waren die Vibrationen heftiger. Es floss auch wieder aus mir heraus, aber nicht mehr so stark.

Dass ich es fertig gebracht hatte, wider Erwarten zu kommen, gab mir in den folgenden Tagen ein Gefühl der Unbesiegbarkeit. Es war sehr erhebend und ich war ungeheuer stolz auf mich. Nicht mein bestandener Führerschein, mein Studienabschluss oder die Geburt meines Kindes hatte mir so ein Gefühl von absoluter Selbstbestätigung beschert.

Bildquelle: www.Pixel-Pool.net
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Filmstill aus Hung

Die Szene, die auf dem Filmstill dargestellt ist, kenne ich. Eine schöne, sinnlich wirkende Frau, die sich wie ein Eisklotz fühlt. Der Mann ist geil, zieht das ganze Register, aber er kann sie nicht verführen. Sie hat einfach keine Lust. Je mehr er sich anstrengt, desto mehr leidet sie unter ihrer Lustlosigkeit. Sie fragt sich, was ihr fehlt, warum sie nicht so genießen kann wie er. Warum sie jetzt lieber die Waschmaschine ausräumen würde als mit ihm zu schlafen. Sie hat ihre Lust verloren und weiß nicht, wo.

Bin ich zu bequem für einen Orgasmus?

Es ist nun bald einen Monat her, dass ich beim „Schnuppertermin“ für eine Sexualtherapie war. Der gute Dr. Love erklärte mir dabei, dass ich mir meine Vorstellung von einem Geheimrezept mit Orgasmustherapie abschminken könnte. Kommen oder nicht zu kommen, würde wohl bis zu meinem Lebensende ein wunder Punkt für mich bleiben. Versprechen könnte er mir aber, auf eine tiefere Ebene der Sexualität zu gelangen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass mein Sexualpartner zu den Sitzungen mitkommt. Dr. Love werde den Finger in die Wunde legen und so einiges aus unserer Partnerschaft hinterfragen. Er würde da herumbohren, wo es weh tut – wie ein Zahnarzt.

Es ist für mich und meinen Mann gar nicht so einfach, unter der Woche tagsüber zwei Stunden irgendwo als Paar zu erscheinen: Entweder arbeiten wir oder wir müssen uns um unsere Lütte kümmern. Außerdem bin ich mir nicht so sicher, ob ich so eine Paartherapie mit Kopfstress, schwierigen Gesprächen und Problemwälzerei momentan auf mich nehmen möchte. Da bleibe ich doch lieber anorgastisch und habe dafür aber ein kuscheliges, harmonisches Zuhause.

Oder sind das alles faule Ausreden?

Viele Männer erleben Sex als einen wichtigen Grund, überhaupt eine feste Beziehung einzugehen – neben Bindungswünschen, die natürlich auch Männer haben. Wenn es dann, nach Etablierung der Beziehung keinen Sex mehr gibt, steht für sie die Beziehung infrage. Der Deal ist geplatzt – sie fühlen sich verarscht. Anders herum ist für viele Frauen Sex als Pfand für Beziehung immer noch ein häufiges, oft unbewusstes Motiv. Als Pfand, das sie gelernt haben, geben zu müssen, im Tausch für Bindung und Sicherheit. Also geben sie Sex vor allem dann, wenn die Bindung noch nicht gefestigt oder gefährdet ist.

http://www.zeit.de/2013/18/sexualitaet-therapie-christoph-joseph-ahlers/seite-1

Kann es sein, dass Herr Ahlers hier ein paar sexistische Stereotypen reproduziert?

Mit dem Sex ist es wie mit Gott

Letzte Woche war ich ja zum ersten Mal bei diesem Sextherapeuten. Der erklärte mir die Funktion von Sex so: Es geht dabei gar nicht um Lust und Befriedigung und tolle Orgasmen; sondern darum, Nähe zwischen zwei Individuen herzustellen und aufrechtzuerhalten. Miteinander zu schlafen ist wie eine Erneuerung des Versprechens: „Wir gehören zusammen.“ Aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, bedeutete in der Steinzeit, also vor noch gar nicht langer Zeit, den sicheren Tod. Und die Angst vor dem Verlassenwerden beherrscht uns immer noch, auch wenn wir heute als Singles ganz famos leben können. Sex lindert die Angst vor dem Alleinsein.

Ich ging aus dem Gespräch mit dem Gefühl, dass mein Problem vielleicht nicht mein fehlender Höhepunkt sei, sondern tatsächlich meine falsche Vorstellung vom Sex. Ich denke eigentlich, dass ich Sex habe, um Lust, Genuss und Befriedigung zu empfinden.  So ähnlich wie beim Essen. Und mich reitet – blöderweise, zugegeben – die Vorstellung, nur mit einem Orgasmus „wahren“ Sex zu haben.

Nach dem, was mir der Sextherapeut unterbreitete, denke ich: Vielleicht erklärt sich meine Lustflaute dadurch, dass ich auch ohne Sex keine Angst vor dem Alleinsein habe und auch so schon genug Nähe empfinde.

Vielleicht ist es mit Sex wie mit Gott – man braucht ihn nur in unsicheren Zeiten.

I can’t write

So langsam geht’s ans Eingemachte. Ich merke, dass mir seit Wochen Themen in meinem Kopf herumgeistern, Gedanken, Thesen, die ich hier niederschreiben möchte. Und dann bring ich es nicht fertig und schreib’s nicht auf. Stattdessen lese und stöbere ich in anderen Blogs, schau mir Arte-Dokus an oder zupfe meine Augenbrauen. Vielleicht sind die Texte, die ich gern schriebe, noch nicht genug in mir gereift. Vielleicht fehlen mir die Worte. Vielleicht habe ich nicht genug Ressourcen, um mich mit meinem wunden Punkt – denn genau darum geht es hier und nur hier, nirgendwo anders in meinem Leben – schreibend zu beschäftigen.

Kommt Zeit, kommt Text.

Komm auf den Flokati, Kleiner!

„Das Sexleben der meisten Menschen ist gar nicht so, wie Sie vielleicht denken und wie die Medien es darstellen,“ sagte meine Frauenärztin, „sehr viele Frauen erzählen mir, dass sie mit dem Sex in ihrer Beziehung unzufrieden sind.“

Ja, ich weiß. Mit meiner Anorgasmie bin ich vielleicht in der Minderheit, nicht aber mit meiner Suche nach neuem sexuellem Glück. Allein die unendliche Flut von Beiträgen in mehr oder minder lesenswerten Frauenzeitschriften zeugt von einem gewissen Notstand. Da werden die besten Tipps für ein aufregenderes Liebesleben versprochen – vom Kochrezept bis zur Beckenbodenübung. Und auch aus den Gesprächen mit meinen Freundinnen höre ich, dass sie nicht jeden Abend mit Schaum vor dem Mund ihr Sweetheart auf den Flokati zerren. „So ist das eben in einer langen Beziehung,“ heißt es lakonisch.

Und das ist vielleicht auch gar nicht schlimm. Man braucht den Sex in den ersten Monaten und Jahren, damit aus zwei Fremden Partner werden, die das abenteuerlichste Projekt überhaupt wagen: eine romantische Beziehung. Wenn die Fremdheit überwunden ist und man durch die körperliche Nähe eine unsichtbare Verbindung zu einander geschaffen hat, treten vielleicht andere Bedürfnisse in den Vordergrund. Und der Sex trottelt etwas schlaksig nebenher.

Den ersten Sex mit einem neuen Partner empfand ich immer als einen Moment großartiger Magie, die ich sonst in meinem Leben kaum fand. Das Zittern, das seinen Körper ergreift bei dem Anblick meines nackten Körpers. Wie sich seine Fingerspitzen auf meiner Haut anfühlen, sein Blick auf meinen Brüsten, zum ersten Mal. „Du bist schön.“

Sex in einer langjährigen Beziehung ist anders. Wir sind uns vertraut. Ich weiß, wie ich ihn bespiele und er weiß, was ich mag. Verglichen mit den ersten Malen fühlt sich der Sex für mich – nicht immer, aber oft – wie ein Abklatsch an. Wie der verzweifelte Versuch etwas aus der Versenkung zu holen, was eben für immer versunken ist.

Es gibt andere Dinge, die nun den Zauber heraufbeschwören, der früher fast automatisch den Raum betrat, sobald wir uns auszogen. Es sind unbestimmbare Reize, die mich umwerfen – eine kluge Bemerkung, ein verschmitztes Lächeln, ein Gedanke, den wir zeitgleich äußern, seine Verlegenheit, wenn ich traurig bin. Und nicht zuletzt die Gesten seiner Liebe zu unserem Kind.

Ich weiß nicht, ob es klug ist, sich der Erkenntnis zu ergeben, dass der Sex in einer langjährigen Partnerschaft nicht mehr so heiß  wie der eines frisch verliebten Paares ist. Es zu akzeptieren, sich zurückzulehnen und sich an den anderen Dingen zu erfreuen. Oder ob das eigentlich nur eine Ausrede ist, weil wir nicht in der Lage sind, eine neue Ebene der Erotik zu erreichen, die es mit dem Zauber des Anfangs wirklich aufnehmen kann.