Ne- und Urologen

Sexualmediziner sind oft auch Urologen. Und da meine Frauenärztin mich wegen primärer Anorgasmie zum Sexualmediziner überwiesen hat, bin ich schließlich in einer Praxis für Urologie gelandet. Der Urologe hatte volles Haar und blaue Augen. Als ich ihm von dem Grund meiner Konsultation erzählte, zuckte er bedauernd mit den Schultern. Die Praxis würde das nicht mehr behandeln. Seine Kollegin hätte früher Sexualtherapien durchgeführt und das stehe immer noch so auf der Website, entspreche aber nicht mehr dem aktuellen Stand. Wenn Männer mit Anorgasmieproblemen zu ihm kämen, schicke er sie zu einem Neurologen, einem Spezialisten für Psychosomatik. Er schrieb mir seine Adresse auf.

Was die Männer dann gegen ihre Anorgasmie verschrieben bekämen, wollte ich wissen.

„Ein spezielles Masturbationstraining“, erklärte der blauäugige Urologe. In einem anderen Zusammenhang hätte mich das wohl schmunzeln lassen. Männer, die das Masturbieren lernen müssen – sowas gibt es also auch. Und wohl gar nicht mal wenige.

Komm auf den Flokati, Kleiner!

„Das Sexleben der meisten Menschen ist gar nicht so, wie Sie vielleicht denken und wie die Medien es darstellen,“ sagte meine Frauenärztin, „sehr viele Frauen erzählen mir, dass sie mit dem Sex in ihrer Beziehung unzufrieden sind.“

Ja, ich weiß. Mit meiner Anorgasmie bin ich vielleicht in der Minderheit, nicht aber mit meiner Suche nach neuem sexuellem Glück. Allein die unendliche Flut von Beiträgen in mehr oder minder lesenswerten Frauenzeitschriften zeugt von einem gewissen Notstand. Da werden die besten Tipps für ein aufregenderes Liebesleben versprochen – vom Kochrezept bis zur Beckenbodenübung. Und auch aus den Gesprächen mit meinen Freundinnen höre ich, dass sie nicht jeden Abend mit Schaum vor dem Mund ihr Sweetheart auf den Flokati zerren. „So ist das eben in einer langen Beziehung,“ heißt es lakonisch.

Und das ist vielleicht auch gar nicht schlimm. Man braucht den Sex in den ersten Monaten und Jahren, damit aus zwei Fremden Partner werden, die das abenteuerlichste Projekt überhaupt wagen: eine romantische Beziehung. Wenn die Fremdheit überwunden ist und man durch die körperliche Nähe eine unsichtbare Verbindung zu einander geschaffen hat, treten vielleicht andere Bedürfnisse in den Vordergrund. Und der Sex trottelt etwas schlaksig nebenher.

Den ersten Sex mit einem neuen Partner empfand ich immer als einen Moment großartiger Magie, die ich sonst in meinem Leben kaum fand. Das Zittern, das seinen Körper ergreift bei dem Anblick meines nackten Körpers. Wie sich seine Fingerspitzen auf meiner Haut anfühlen, sein Blick auf meinen Brüsten, zum ersten Mal. „Du bist schön.“

Sex in einer langjährigen Beziehung ist anders. Wir sind uns vertraut. Ich weiß, wie ich ihn bespiele und er weiß, was ich mag. Verglichen mit den ersten Malen fühlt sich der Sex für mich – nicht immer, aber oft – wie ein Abklatsch an. Wie der verzweifelte Versuch etwas aus der Versenkung zu holen, was eben für immer versunken ist.

Es gibt andere Dinge, die nun den Zauber heraufbeschwören, der früher fast automatisch den Raum betrat, sobald wir uns auszogen. Es sind unbestimmbare Reize, die mich umwerfen – eine kluge Bemerkung, ein verschmitztes Lächeln, ein Gedanke, den wir zeitgleich äußern, seine Verlegenheit, wenn ich traurig bin. Und nicht zuletzt die Gesten seiner Liebe zu unserem Kind.

Ich weiß nicht, ob es klug ist, sich der Erkenntnis zu ergeben, dass der Sex in einer langjährigen Partnerschaft nicht mehr so heiß  wie der eines frisch verliebten Paares ist. Es zu akzeptieren, sich zurückzulehnen und sich an den anderen Dingen zu erfreuen. Oder ob das eigentlich nur eine Ausrede ist, weil wir nicht in der Lage sind, eine neue Ebene der Erotik zu erreichen, die es mit dem Zauber des Anfangs wirklich aufnehmen kann.

Die Aussagen der Frauen – ich lass die Männer nun mal außen vor -, die problemlos Orgasmen durch Eigeninitiative oder den Sexualpartner bekommen, schwanken m. E. ständig zwischen Mitleid (hach, Du Ärmste, bekommste keinen?) und Herablassung (Du ahnst ja gar nicht, was Dir da entgeht), gerne noch gepaart mit Anweisungen, doch mal diese oder jene Stellung auszuprobieren oder sich mehr anzustrengen, dann würde es doch todsicher klappen. Und vor allem, gaaaanz wichtig, das Fallenlassen müsse doch geübt werden und wenn man keinen Orgasmus bekommt, dann deutet das umgehend darauf hin, dass in der Beziehung etwas nicht stimmt, man dem Mann entweder nicht vertraue oder jener ein egoistisches Schwein und man selber damit zufolge ein armes Hascherl ist.

DAS stört mich.

Die einen können es, die anderen nicht. Vielleicht können sie es irgendwann, aber vermutlich eher nicht, wenn sie dem nachjagen, denn Orgasmen sind NICHTS, was durch stupides Üben zustande kommt.

Ich stell mir das ähnlich vor, wie wenn ein Paar sich bemüht ein Kind zu zeugen, die fruchtbaren Tage und Stunden der Frau exakt berechnet und immer dann ran muss, wenn sie gerade besonders fruchtbar ist. Ständig dieses Ziel vor Augen zu haben dürfte sich äußerst hemmend und abtörnend auswirken.

So geht es mir und meinen sich nicht einstellenden Orgasmen, denen ich seit geraumer Zeit nicht mehr hinterherjage und seitdem das Leben und meine Sexualität wesentlich mehr genieße – weil mir nichts (mehr) fehlt.

Ein wunderbares Statement, gefunden im Internetforum der Brigitte: http://bfriends.brigitte.de/foren/sex-und-verhuetung/20882-wie-wichtig-ist-der-orgasmus-der-frau-11.html#post612363

 

Anorgasten aller Länder, vereinigt euch!

Als ich dieses Blog begann, ritt mich die Vorstellung, meine individuelle Sichtweise auf Anorgasmie – jenseits der Lehrmeinungen – nach und nach zu entfalten. Ich wollte zeigen, dass Anorgasmie nicht eine Störung ist, an der nur unaufgeklärte, „verklemmte“ oder sexuell traumatisierte Frauen aufgrund ihrer (zum größten Teil) selbst verschuldeten sexuellen Inkompetenz leiden. Ich wollte dafür eintreten, Anorgasmie wertfrei als Laune der Natur zu betrachten. Als körperlichen Makel, den man akzeptieren und mit dem man sehr gut leben kann.

Nun, nur einen Monat später, überkommen mich die Zweifel. Vielleicht bin ich doch einfach gestört und sollte das endlich mal zugeben. Vielleicht bin ich wirklich zu ängstlich für „den kleinen Tod“, wie die Fachliteratur erwägt. Vielleicht muss ich doch meine schwierige Kindheit aufarbeiten. Lernen, mich fallen zu lassen. Oder vielleicht bin ich – wie eine Kommentatorin suggerierte – asexuell.

Wenn ich Blogs lese von Autisten, Schwerhörigen oder dissoziativen Persönlichkeiten spüre ich die positiven Vibes aus den Kommentaren, die sagen, „Mir geht es auch so, Du bist gar nicht so wunderlich, wie die anderen Dich glauben machen wollen.“ Ich wünsche mir auch solchen Auftrieb von Menschen, die verstehen, wie ich mich fühle mit meinem Makel (oder mit meiner Besonderheit, je nachdem).

Ich möchte ein bisschen mehr Selbsthilfegruppe-Feeling. Sonst noch wer?

Foto: diver, "Organisiertes Chaos"
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Schönen Gruß an Herrn Freud

Ich träumte vom Ende der Welt. Es war ein sehr realer Traum. Ich stand mit meinem Vater auf dem Treppenpodest vor meinem Elternhaus. Wir sahen in die Ferne. Vor uns lag eine Häuserzeile, dahinter standen hohe Bäume und an der Linie zwischen Himmel und Bäumen sahen wir plötzlich Wellen auf uns zu rollen. Mächtige Wellen. Irgendwie wusste ich, dass dies das Ende der Welt war und wir uns ins Haus zurückziehen und alles verrammeln müssten. Ich alarmierte meine Familienmitglieder. Plötzlich fiel mich eine sehr große schwarze Katze an. Sie biss mir in die Hand und hielt einen meiner Finger mit ihren Kiefern umklammert. Ich versuchte, sie von mir weg zu schlagen und rief um Hilfe. Ich spürte ihren langen, sehnigen Körper und ihr weiches Fell. Ihre Umklammerung ließ nicht los. Die anderen standen um mich herum wie erstarrt. Schließlich nahm jemand die Katze weg und ich blickte auf meinen Handrücken, auf dem langsam das Blut durch die Poren meiner Haut hervortrat.

Ich träumte dies, nachdem ich vorige Woche zu meiner neuen Frauenärztin gesagt hatte „Ich kann nicht kommen, was soll ich tun?“ und mich – auf ihren Rat hin – intensiv mit dem Gedanken befasste, eine Sexualtherapie zu machen.

Sex als Jam Session! So habe ich das noch nie gesehen. Ein sehr schön gemachtes Filmchen mit einer inspirierenden Botschaft.

Canadian sex educator Karen K.B. Chan created this video based on my essay Toward A Performance Model Of Sex from Yes Means Yes: Visions Of Women’s Sexual Power And A World Without Rape.  She brings the idea of a collaborative and nonjudgmental way of looking at sex to life in such a vivid and accessible way.

This.  This is terrific.  Everyone should see this.

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Anorgasmie macht arm

Nun habe ich es hinter mir. Zum vierten Mal in 13 Jahren habe ich mit einer Frauenärztin über meine Anorgasmie gesprochen. Das desaströse erste Mal habe ich ja schon hier beschrieben. Nun hat mir die Frauenärztin ohne lange Nachfragen den Namen eines Spezialisten genannt und eine Überweisung zum Sexualmediziner mitgegeben.

Ein Blick auf die Website dieses Spezialisten ergab, dass er kein Sexualmediziner, sondern Psychologe ist. Ein weiterer Klick zeigte, dass nicht die Krankenkasse – wie meine Frauenärztin glaubte – sondern ich selbst die Kosten für die Behandlung tragen muss. Ein erster Beratungstermin kostet schlappe 100 Euro.

Ein weiterer Blick in die Ärztedatenbank ergab, dass es in Berlin überhaupt nur drei Sexualmediziner gibt. Auch sie bieten Behandlungen von Anorgasmie an, die man allerdings auch privat bezahlen muss.

Ich bin gerade so in der Lage, das finanziell zu stemmen. Vor wenigen Jahren hätte ich das Geld ganz einfach nicht gehabt. Sicher wären die ein- bis zweitausend Euro in ein neues Leben voller orgasmischer Höhepunkte nicht schlecht investiert. Vorausgesetzt, diese Therapie hält, was sie verspricht.

Meine Freundin Vagina

Black catVor ein paar Tagen im Flugzeug bot mir die Stewardess die „Freundin“ an. Eines der Titelthemen: „Die Vagina“ – da konnte ich unmöglich ablehnen und meinen García Márquez weiter lesen. Sicher war das eine Perle des investigativen Journalismus, die mich da erwartete. Noch vor dem Start vertiefte ich mich in die Illustrierte. Unter der Überschrift „Ich hier oben – die da unten“ beschreibt die Autorin Katharina Langefeldt die Sprachlosigkeit, die viele Frauen – trotz aller Aufklärung – befällt, wenn es um ihr bestes Stück geht. Im zweiten Teil erzählt sie den Lebenslauf ihrer Vagina. Um es gleich vorwegzunehmen – sie hat keine besonders aufregende Vita. Der Reiz der Lektüre liegt in der ungeschminkten Aufrichtigkeit, mit der die Autorin schreibt. Die Vagina musste ertragen, mit Tampons traktiert, von einer unsensiblen Frauenärztin untersucht und beim Masturbieren lange Zeit vernachlässigt zu werden. Der erste Sex war lau und so richtig „geschunden“ wurde die Vagina dann bei der Geburt des ersten Kindes. Diese Erfahrung war es, die die Autorin und ihre Vagina mehr in Einklang miteinander brachte. Allerdings herrschte auch vorher keine Zwietracht – eher ein Nichts-so-recht-miteinander-anfangen-können.

Was habe ich bei der Lektüre gelernt? Vielleicht, dass mein Verhältnis zu meiner Vagina – verglichen mit dem, was die Autorin beschreibt – doch ganz gut und vertraut ist.

Anders als sie hatte ich nie Probleme mit Tampons oder bei vaginalen Untersuchungen. Die Autorin erfuhr erst mit zehn Jahren, woher die kleinen Babys kommen. Ich Schlaumeierin wusste das schon vor meiner Einschulung und diskutierte mit meiner Nachbarsfreundin, ob das Ei einer Frau tatsächlich blau sei oder ob das nur in dem Bio-Buch meiner großen Schwester so dargestellt war. Mit zehn Jahren las ich regelmäßig die Dr. Sommer Seite in der BRAVO. Mein erstes sexuelles Vagina-Erlebnis (oder war es eigebtlich eher ein Vulva-Erlebnis?) hatte ich mit 12. Da übernachtete ich bei meiner besten Freundin T., die sich neben mir mit einer Barbiepuppe selbst befriedigte. Nach einigen Minuten Hin- und Hergeruckel unter der Bettdeckte teilte sie mir ganz lapidar mit, dass sie gleich komme. Eine Ansage, die ich bis heute nicht das Glück hatte, zu machen. Klar fand ich das damals cool und aufregend. Am nächsten Tag probierte ich es zu Hause auch – allerdings ohne Barbiepuppe und ohne zu kommen. Das beunruhigte mich zu dem Zeitpunkt noch nicht die Bohne. Ich fühlte mich erwachsen und auch ein bisschen verrucht.

An meine ersten Selbsterkundigungen kann ich mich gut erinnern, nachts vor dem Einschlafen, mit Kuschelrock-Musik aus dem Cassettenrekorder. Ich sprach mit meiner Freundin viel und offen über Sex und Jungs und über die Veränderungen, die unser Körper durchlief. Es war wohl unser Lieblingsthema. Wir lasen die einschlägigen Zeitschriften und tauschten uns in unserer Mädchen-Clique aus und später, so mit 14, 15, auch mit den Jungs aus unserer Klasse, die wir zu unseren „Kumpel“ auserkoren hatten.

So kann ich nur müde gähnen, wenn ich den dritten Teil der Vagina-Reports in der „Freundin“ lese: „Wissen bedeutet mehr Lust“. Es ist ein Interview mit einer Sexualtherapeutin, die dazu ermutigt, sich intensiver mit seiner Vagina zu beschäftigen. Über zwanzig Jahre sind vergangen, seitdem ich meine Vagina zum ersten Mal lustvoll berührte. Ich behaupte schon, sie zu kennen und gern zu haben. Was soll ich noch mit ihr anstellen, um zu mehr Lust zu kommen? Mir hat es sicher geholfen und natürlich auch Spaß gemacht, meine besonderen Hotspots ausfindig zu machen. Aber anorgasmisch bin ich trotzdem. Es wäre schön, zu wissen warum.

Foto: Pedro Semões, "Black cat"
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Die 27 Sinne

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In Kurt Schwitters Gedicht „An Anna Blume“ wendet sich das lyrische Ich an die „Geliebte meiner 27 Sinne“. Und auch ich habe schon öfter darüber nachgedacht, dass es eine maßlose Untertreibung ist, wenn man behauptet, der Mensch hätte nur fünf Sinne. Auch zu den Sinnen zählen könnte man (laut Netzrecherche) den Gleichgewichtssinn, die kinästhetische Wahrnehmung („So merkt der Körper, wie seine Glieder zueinander stehen als Rückkopplung auf Bewegungen“) und die trigeminale Wahrnehmung („Der Gesichtsnerv (Trigeminus) übermittelt den Tastsinn des Gesichts, Geschmack und Geruch“).

Was ist aber mit dem Sinn, der uns sagt, wo links und rechts ist (übrigens auch eine Fähigkeit, die mir total abgeht)?

Und mit unserem Zeitempfinden? Der Dichter und Freiheitskämpfer Schubart schrieb über seine Zeit in Einzelhaft:

„Ich zählte nicht mehr Tage, sondern Stunden, und hörte oft Minuten auftreten, so leise wurde mein Gehör für die Zeit.“

Er vergleicht also die Wahrnehmung von Zeit mit dem Hörsinn. Nun könnte man argumentieren, dass es auch immer ein entsprechendes Organ geben muss, um einen veritablen Sinn als solchen zu definieren. Und für die Wahrnehmung der Zeit fällt mir gerade kein eindeutiges Organ ein.

Vehement plädiere ich dafür, das sexuelle Empfinden in den freudigen Reigen der Sinne aufzunehmen. Das obligate Organ wäre ja auch vorhanden. Ich denke sogar, dass dieser sexuelle Sinn ganz wesentlich ist und den anerkannten Sinnen in nichts nachsteht. Denn ist es nicht ebenso lebenswichtig, dass ich wahrnehme, ob mich jemand erregt und meinen Fortpflanzungstrieb aktiviert, wie es ist, dass ich rieche und schmecke, ob eine Speise schädlich oder nahrhaft ist? Oder dass ich höre und sehe, ob ein Feind oder ein Freund naht?

Ich frage mich, was wohl Anna Blumes Vagina signalisierte, als sie das Gedicht las und ob sie ihre Signale überhaupt wahr und ernst nahm.

Foto: Bob Jagendorf, „Beautiful Jelly Fish“, CC-Lizenz (BY 2.0)
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Behindert bin ich nicht, behindern tue ich

Anorgasmie ist keine Behinderung. Es ist auch keine Krankheit. Es ist – ganz schnöde – eine „Störung“. Und doch fühle ich mich behindert mit diesem Nicht-Kommen-Können. Natürlich nur in Bezug auf eine bestimmte Fähigkeit, die ich nur in einem bestimmten Bereich meines Lebens brauche. Aber ist das mit „echten“ Behinderungen nicht auch so?

Und es kommt noch ärger: Nicht nur fühle ich mich behindert, ich behindere in ganz unerhörter Weise meinen – von sich aus weder behinderten noch gestörten – Partner. Ich hindere ihn daran, dass er mit der Frau seines Herzens (also mir) häufigen, hemmungslosen, hingebungsvollen Sex hat. Ich behindere vollkommen die Entfaltung seiner Lust. Aus Liebe zu mir muss er ständig Rücksicht nehmen, sich zurücknehmen, verzichten, verstehen.

Darf ich ihm das eigentlich zumuten?

Ende
Foto: Robert Schumah, "Ende"
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