Archiv für den Monat Oktober 2013

„Unkenntnis ist in der Regel der Grund“

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Bei meinen Streifzügen durchs Netz stieß ich auf eine recht neue Publikation, namens „Psychosomatische Urologie„. Autor ist der Münchner Urologe Ernst-Albrecht Günthert. In seinem „Leitfaden für die Praxis“ widmet er Anorgasmie bei Männern und Frauen je ein Kapitel. Er gibt zwei Fallbeispiele von Anorgasmie bei Männern. Der Mann aus dem ersten Fall hat primäre Anorgasmie (er ist noch nie gekommen). Diese Form nennt der Autor auch „totale“ Anorgasmie (und ich denke dabei unwillkürlich an den „totalen“ Krieg, aber das mag anderen nicht so gehen). Der Mann im zweiten Beispiel hat sekundäre, also erworbene, Anorgasmie. Als Ursache für die Anorgasmie detektierte Herr Günthert bei beiden Männern eine unausgereifte Beziehung zu ihren dominanten Müttern, die in beiden Fällen die Beziehung zu ihren Partnerinnen nicht guthießen. Eine Lösung der „konfliktbehafteten Mutterbindung“ war denn auch die Lösung für die Orgasmusprobleme. So so.

Gespannt las ich weiter, was der gute Mann denn über die Ursachen von Anorgasmie bei Frauen zu schreiben wusste. Und ich erlitt eine derbe Enttäuschung:

„Häufig jedoch ist eine fehlende Verständigung der Partner Ursache einer vaginal-koitalen Anorgasmie. (…) Oft spielt auch der nicht ausreichend berücksichtigte unterschiedliche Erregungsablauf von Mann und Frau eine Rolle; Unkenntnis ist in der Regel der Grund.“

Na toll! Die Männer bekommen eine tiefenpsychologisch begründete Ursache bestätigt, die Schuld für ein Leben ohne Höhepunkte wird ihren Müttern zugeschoben. Und bei den anorgastischen Frauen hapert es einfach an Wissen und/oder klarer Kommunikation mit ihren Männern.

Mich langweilen und nerven diese kurzgreifenden Erklärungen für Anorgasmie bei Frauen. Ich fühle mich für dumm verkauft. Und meinen Partner gleich mit.

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