Mit dem Sex ist es wie mit Gott

Letzte Woche war ich ja zum ersten Mal bei diesem Sextherapeuten. Der erklärte mir die Funktion von Sex so: Es geht dabei gar nicht um Lust und Befriedigung und tolle Orgasmen; sondern darum, Nähe zwischen zwei Individuen herzustellen und aufrechtzuerhalten. Miteinander zu schlafen ist wie eine Erneuerung des Versprechens: „Wir gehören zusammen.“ Aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, bedeutete in der Steinzeit, also vor noch gar nicht langer Zeit, den sicheren Tod. Und die Angst vor dem Verlassenwerden beherrscht uns immer noch, auch wenn wir heute als Singles ganz famos leben können. Sex lindert die Angst vor dem Alleinsein.

Ich ging aus dem Gespräch mit dem Gefühl, dass mein Problem vielleicht nicht mein fehlender Höhepunkt sei, sondern tatsächlich meine falsche Vorstellung vom Sex. Ich denke eigentlich, dass ich Sex habe, um Lust, Genuss und Befriedigung zu empfinden.  So ähnlich wie beim Essen. Und mich reitet – blöderweise, zugegeben – die Vorstellung, nur mit einem Orgasmus „wahren“ Sex zu haben.

Nach dem, was mir der Sextherapeut unterbreitete, denke ich: Vielleicht erklärt sich meine Lustflaute dadurch, dass ich auch ohne Sex keine Angst vor dem Alleinsein habe und auch so schon genug Nähe empfinde.

Vielleicht ist es mit Sex wie mit Gott – man braucht ihn nur in unsicheren Zeiten.

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5 Gedanken zu „Mit dem Sex ist es wie mit Gott

  1. goodoldman

    da könnte was dran sein, muss ich nochmals ne Weile drüber nachdenken…Sex braucht man nur, wenn man in Schwierigkeiten ist? hmmm, vielleicht

  2. icantcome Autor

    @goodold: Würde mich freuen, wenn Du mal den ein oder anderen Gedanken auf diese These verschwendest. „brauchen“ ist ja auch etwas anderes als „mögen“ oder „wollen“.

    @dual: Hach … ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich Dir gratulieren kann oder eher nicht. Eigentlich ist häufiger Sex ja prima. Nicht zuletzt für den Kreislauf und so ;-). Aber in diesem Zusammenhang könnte er eher auf – ungestillte – Sehnsucht nach Nähe hindeuten. Ist der Sex denn auch gut (oder nur viel)?

  3. dual

    Ja, ungestillte Sehnsucht….kann schon hinkommen…
    Wie der Sex ist…hmmm…nach 28 Jahren Sex mit ein und demselben Mann, kann ich das schlecht beurteilen.., gefühlt würde ich sagen , er ist wie das Wetter…mal gut und mal schlecht…Allerdings hatte ich Jahre das gleiche Problem wie du und auch bis heute ist es nicht ganz behoben…

  4. icantcome Autor

    „nicht ganz behoben“ ist ja schon mal ein Anfang … ! Der Therapeut meinte zu mir, dass er mir zwar helfen kann, zu einer tieferen Ebene des Genießens zu kommen, aber dass da immer ein wunder Punkt für mich bleiben wird.
    Ich wünsche Dir, dass die „guten Male“ immer häufiger werden!

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