Archiv für den Monat April 2013

Viele Männer erleben Sex als einen wichtigen Grund, überhaupt eine feste Beziehung einzugehen – neben Bindungswünschen, die natürlich auch Männer haben. Wenn es dann, nach Etablierung der Beziehung keinen Sex mehr gibt, steht für sie die Beziehung infrage. Der Deal ist geplatzt – sie fühlen sich verarscht. Anders herum ist für viele Frauen Sex als Pfand für Beziehung immer noch ein häufiges, oft unbewusstes Motiv. Als Pfand, das sie gelernt haben, geben zu müssen, im Tausch für Bindung und Sicherheit. Also geben sie Sex vor allem dann, wenn die Bindung noch nicht gefestigt oder gefährdet ist.

http://www.zeit.de/2013/18/sexualitaet-therapie-christoph-joseph-ahlers/seite-1

Kann es sein, dass Herr Ahlers hier ein paar sexistische Stereotypen reproduziert?

Vulva vs. Pippifrau

Eines Tages wird meine Tochter mich fragen: „Mama, warum hat Paul da unten sowas und ich nicht?“ Oder so ähnlich. Ich werde ihr dann erklären, dass Jungs einen Penis und Mädchen eine Vulva haben. Im Unterschied zu „Scheide“ oder „Vagina“ bezeichnet „Vulva“ nicht nur den inneren, sondern auch den äußeren Bereich mit Schamlippen und Klitoris.

Meine Schwester brachte ihren Töchtern bei, sie hätten eine „Pippifrau“. Mir gefällt ihre Wortschöpfung nicht. Meine Tochter soll ihre Vulva nicht als etwas kennen lernen, das mit Unreinheit verbunden ist.

Andererseits klingt „Vulva“ nach Lateinunterricht und Erwachsenensprache.

Also doch eher Mumu? Zum Glück habe ich bis zu diesem Gespräch noch etwas Zeit.

Mit dem Sex ist es wie mit Gott

Letzte Woche war ich ja zum ersten Mal bei diesem Sextherapeuten. Der erklärte mir die Funktion von Sex so: Es geht dabei gar nicht um Lust und Befriedigung und tolle Orgasmen; sondern darum, Nähe zwischen zwei Individuen herzustellen und aufrechtzuerhalten. Miteinander zu schlafen ist wie eine Erneuerung des Versprechens: „Wir gehören zusammen.“ Aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, bedeutete in der Steinzeit, also vor noch gar nicht langer Zeit, den sicheren Tod. Und die Angst vor dem Verlassenwerden beherrscht uns immer noch, auch wenn wir heute als Singles ganz famos leben können. Sex lindert die Angst vor dem Alleinsein.

Ich ging aus dem Gespräch mit dem Gefühl, dass mein Problem vielleicht nicht mein fehlender Höhepunkt sei, sondern tatsächlich meine falsche Vorstellung vom Sex. Ich denke eigentlich, dass ich Sex habe, um Lust, Genuss und Befriedigung zu empfinden.  So ähnlich wie beim Essen. Und mich reitet – blöderweise, zugegeben – die Vorstellung, nur mit einem Orgasmus „wahren“ Sex zu haben.

Nach dem, was mir der Sextherapeut unterbreitete, denke ich: Vielleicht erklärt sich meine Lustflaute dadurch, dass ich auch ohne Sex keine Angst vor dem Alleinsein habe und auch so schon genug Nähe empfinde.

Vielleicht ist es mit Sex wie mit Gott – man braucht ihn nur in unsicheren Zeiten.

I can’t write

So langsam geht’s ans Eingemachte. Ich merke, dass mir seit Wochen Themen in meinem Kopf herumgeistern, Gedanken, Thesen, die ich hier niederschreiben möchte. Und dann bring ich es nicht fertig und schreib’s nicht auf. Stattdessen lese und stöbere ich in anderen Blogs, schau mir Arte-Dokus an oder zupfe meine Augenbrauen. Vielleicht sind die Texte, die ich gern schriebe, noch nicht genug in mir gereift. Vielleicht fehlen mir die Worte. Vielleicht habe ich nicht genug Ressourcen, um mich mit meinem wunden Punkt – denn genau darum geht es hier und nur hier, nirgendwo anders in meinem Leben – schreibend zu beschäftigen.

Kommt Zeit, kommt Text.