Archiv für den Monat Januar 2013

Meerjungfrauen küssen besser

Meernixe

Foto: Sali Soham, „Mermaid No 6“
Quelle: http://www.piqs.de

Vor einer Weile entwickelte ich die Theorie, dass die mythische Figur der Meerjungfrau mit ihrem weiblichen Oberkörper und ihrem Fisch-Unterleib Frauen widerspiegelt, die unfähig sind, Orgasmen zu erleben. Die Meerjungfrau verführt den Mann mit ihrer Stimme, ihrem Blick, vielleicht mit Küssen und Streicheln – mit ihrer Sinnlichkeit. Wenn es dann allerdings zur Sache geht, stellt sich heraus, dass unter ihrer Gürtellinie nur ein kalter, glatter Kegel wartet.

Dieses Bild trifft es aber doch nicht. Denn zwischen meinen Beinen ist es nicht kalt und gefühllos. Ich fühle alle Phasen der Erregung und genieße diese intensiven Gefühle durchaus. Nur jener letzte Moment, in dem sich alles in wohlige Entspannung auflöst, der bleibt aus. Ab einem bestimmten Punkt wird aus dem Crescendo ein gleichbleibender Ton, der langsam verstummt. Wenn ich frisch verliebt war, machte mir das nicht viel aus. Ich mochte den Sex auch so. Aber auf die Dauer bedeutet es Frust. Nicht zuletzt für den Partner.

Sex ohne Orgamus ist für mich, als würde man einen Leckerbissen in den Mund bekommen, kauen und schmecken, kann aber nicht herunterschlucken. Der Hunger bleibt.

I am the 10 %

Anonymous MaskEs ist ja ein bisschen billig, im ersten Post gleich mal aus der Wikipedia zu zitieren, aber andererseits: Was liegt näher, als die Weisheit der Vielen zu konsultieren? Also, los gehts:

Als Anorgasmie, manchmal auch als „Orgasmushemmung“, wird eine Orgasmusstörung bei Frauen wie Männern bezeichnet, die durch ein oftmaliges oder andauerndes Fehlen eines sexuellen Höhepunktes bei ungestörter Erregungsphase definiert ist. (…) Anorgasmie tritt laut empirischen Studien bei Frauen häufiger als bei Männern auf: Nur etwa ein Drittel der befragten sexuell aktiven Frauen berichtet von regelmäßigen Orgasmen. Fünf bis zehn Prozent geben an, noch niemals einen Orgasmus gehabt zu haben.

Fünf bis zehn Prozent der Frauen sind noch nie gekommen. Ich bin also nicht allein. Das ist ja schon einmal etwas.

Als mögliche körperliche Ursachen nennt die Wikipedia Arzneimittel, Diabetes, Multiple Sklerose, Durchblutungsstörungen, Querschnittlähmung. Nichts davon trifft auf mich zu. Daher vermuteten die Ärzte tendenziell psychische Ursachen. So in die Richtung: „Lassen Sie sich einfach mal fallen!“ Und dazu sagt die kluge Wikipedia folgendes:

Während es bei der ärztlichen Behandlung von Männern mit Orgasmusproblemen üblich ist, sowohl psychische als auch physische Faktoren zu berücksichtigen, richtet sich die Ursachenforschung und Behandlung von Frauen, die unter ähnlichen Schwierigkeiten leiden, nach wie vor vorwiegend auf den psychischen Bereich. Selbst in den zahlreichen Fällen, in denen durch diese Handhabe keine Besserung eintritt, wird häufig nicht umfassender nachgeforscht, die Betroffenen finden keine adäquate Hilfe. In Wirklichkeit ist die Fachwelt häufig ratlos, da die Anatomie und die Funktionen der weiblichen Geschlechtsorgane noch immer nicht hinreichend erforscht sind.

Ratlosigkeit in der Fachwelt. Danke, danke und nochmals danke an den Autor (ich vermute mal eher Autorin) für diese Feststellung, die auch meiner Erfahrung entspricht. Ratlosigkeit herrscht jedoch auch in meinem Ehebett. Und im Gegensatz zu mir haben die Forscher vielleicht kein besonders großes Interesse, die weibliche Orgasmusfähigkeit ernsthaft zu untersuchen. Und die Frauen, die wie ich ohne Orgasmen leben, fordern eine Verbesserung ihrer erbärmlichen Situation ja nicht gerade lautstark ein. Das ändert sich hiermit. Hoffentlich.

Foto: David Shankbone, "Day 36 Occupy Wall Street"
Quelle: www.piqs.de
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