Archiv für den Monat Januar 2013

Meine Freundin Vagina

Black catVor ein paar Tagen im Flugzeug bot mir die Stewardess die „Freundin“ an. Eines der Titelthemen: „Die Vagina“ – da konnte ich unmöglich ablehnen und meinen García Márquez weiter lesen. Sicher war das eine Perle des investigativen Journalismus, die mich da erwartete. Noch vor dem Start vertiefte ich mich in die Illustrierte. Unter der Überschrift „Ich hier oben – die da unten“ beschreibt die Autorin Katharina Langefeldt die Sprachlosigkeit, die viele Frauen – trotz aller Aufklärung – befällt, wenn es um ihr bestes Stück geht. Im zweiten Teil erzählt sie den Lebenslauf ihrer Vagina. Um es gleich vorwegzunehmen – sie hat keine besonders aufregende Vita. Der Reiz der Lektüre liegt in der ungeschminkten Aufrichtigkeit, mit der die Autorin schreibt. Die Vagina musste ertragen, mit Tampons traktiert, von einer unsensiblen Frauenärztin untersucht und beim Masturbieren lange Zeit vernachlässigt zu werden. Der erste Sex war lau und so richtig „geschunden“ wurde die Vagina dann bei der Geburt des ersten Kindes. Diese Erfahrung war es, die die Autorin und ihre Vagina mehr in Einklang miteinander brachte. Allerdings herrschte auch vorher keine Zwietracht – eher ein Nichts-so-recht-miteinander-anfangen-können.

Was habe ich bei der Lektüre gelernt? Vielleicht, dass mein Verhältnis zu meiner Vagina – verglichen mit dem, was die Autorin beschreibt – doch ganz gut und vertraut ist.

Anders als sie hatte ich nie Probleme mit Tampons oder bei vaginalen Untersuchungen. Die Autorin erfuhr erst mit zehn Jahren, woher die kleinen Babys kommen. Ich Schlaumeierin wusste das schon vor meiner Einschulung und diskutierte mit meiner Nachbarsfreundin, ob das Ei einer Frau tatsächlich blau sei oder ob das nur in dem Bio-Buch meiner großen Schwester so dargestellt war. Mit zehn Jahren las ich regelmäßig die Dr. Sommer Seite in der BRAVO. Mein erstes sexuelles Vagina-Erlebnis (oder war es eigebtlich eher ein Vulva-Erlebnis?) hatte ich mit 12. Da übernachtete ich bei meiner besten Freundin T., die sich neben mir mit einer Barbiepuppe selbst befriedigte. Nach einigen Minuten Hin- und Hergeruckel unter der Bettdeckte teilte sie mir ganz lapidar mit, dass sie gleich komme. Eine Ansage, die ich bis heute nicht das Glück hatte, zu machen. Klar fand ich das damals cool und aufregend. Am nächsten Tag probierte ich es zu Hause auch – allerdings ohne Barbiepuppe und ohne zu kommen. Das beunruhigte mich zu dem Zeitpunkt noch nicht die Bohne. Ich fühlte mich erwachsen und auch ein bisschen verrucht.

An meine ersten Selbsterkundigungen kann ich mich gut erinnern, nachts vor dem Einschlafen, mit Kuschelrock-Musik aus dem Cassettenrekorder. Ich sprach mit meiner Freundin viel und offen über Sex und Jungs und über die Veränderungen, die unser Körper durchlief. Es war wohl unser Lieblingsthema. Wir lasen die einschlägigen Zeitschriften und tauschten uns in unserer Mädchen-Clique aus und später, so mit 14, 15, auch mit den Jungs aus unserer Klasse, die wir zu unseren „Kumpel“ auserkoren hatten.

So kann ich nur müde gähnen, wenn ich den dritten Teil der Vagina-Reports in der „Freundin“ lese: „Wissen bedeutet mehr Lust“. Es ist ein Interview mit einer Sexualtherapeutin, die dazu ermutigt, sich intensiver mit seiner Vagina zu beschäftigen. Über zwanzig Jahre sind vergangen, seitdem ich meine Vagina zum ersten Mal lustvoll berührte. Ich behaupte schon, sie zu kennen und gern zu haben. Was soll ich noch mit ihr anstellen, um zu mehr Lust zu kommen? Mir hat es sicher geholfen und natürlich auch Spaß gemacht, meine besonderen Hotspots ausfindig zu machen. Aber anorgasmisch bin ich trotzdem. Es wäre schön, zu wissen warum.

Foto: Pedro Semões, "Black cat"
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Quelle: www.piqs.de

Die 27 Sinne

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In Kurt Schwitters Gedicht „An Anna Blume“ wendet sich das lyrische Ich an die „Geliebte meiner 27 Sinne“. Und auch ich habe schon öfter darüber nachgedacht, dass es eine maßlose Untertreibung ist, wenn man behauptet, der Mensch hätte nur fünf Sinne. Auch zu den Sinnen zählen könnte man (laut Netzrecherche) den Gleichgewichtssinn, die kinästhetische Wahrnehmung („So merkt der Körper, wie seine Glieder zueinander stehen als Rückkopplung auf Bewegungen“) und die trigeminale Wahrnehmung („Der Gesichtsnerv (Trigeminus) übermittelt den Tastsinn des Gesichts, Geschmack und Geruch“).

Was ist aber mit dem Sinn, der uns sagt, wo links und rechts ist (übrigens auch eine Fähigkeit, die mir total abgeht)?

Und mit unserem Zeitempfinden? Der Dichter und Freiheitskämpfer Schubart schrieb über seine Zeit in Einzelhaft:

„Ich zählte nicht mehr Tage, sondern Stunden, und hörte oft Minuten auftreten, so leise wurde mein Gehör für die Zeit.“

Er vergleicht also die Wahrnehmung von Zeit mit dem Hörsinn. Nun könnte man argumentieren, dass es auch immer ein entsprechendes Organ geben muss, um einen veritablen Sinn als solchen zu definieren. Und für die Wahrnehmung der Zeit fällt mir gerade kein eindeutiges Organ ein.

Vehement plädiere ich dafür, das sexuelle Empfinden in den freudigen Reigen der Sinne aufzunehmen. Das obligate Organ wäre ja auch vorhanden. Ich denke sogar, dass dieser sexuelle Sinn ganz wesentlich ist und den anerkannten Sinnen in nichts nachsteht. Denn ist es nicht ebenso lebenswichtig, dass ich wahrnehme, ob mich jemand erregt und meinen Fortpflanzungstrieb aktiviert, wie es ist, dass ich rieche und schmecke, ob eine Speise schädlich oder nahrhaft ist? Oder dass ich höre und sehe, ob ein Feind oder ein Freund naht?

Ich frage mich, was wohl Anna Blumes Vagina signalisierte, als sie das Gedicht las und ob sie ihre Signale überhaupt wahr und ernst nahm.

Foto: Bob Jagendorf, „Beautiful Jelly Fish“, CC-Lizenz (BY 2.0)
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Quelle: www.piqs.de

Behindert bin ich nicht, behindern tue ich

Anorgasmie ist keine Behinderung. Es ist auch keine Krankheit. Es ist – ganz schnöde – eine „Störung“. Und doch fühle ich mich behindert mit diesem Nicht-Kommen-Können. Natürlich nur in Bezug auf eine bestimmte Fähigkeit, die ich nur in einem bestimmten Bereich meines Lebens brauche. Aber ist das mit „echten“ Behinderungen nicht auch so?

Und es kommt noch ärger: Nicht nur fühle ich mich behindert, ich behindere in ganz unerhörter Weise meinen – von sich aus weder behinderten noch gestörten – Partner. Ich hindere ihn daran, dass er mit der Frau seines Herzens (also mir) häufigen, hemmungslosen, hingebungsvollen Sex hat. Ich behindere vollkommen die Entfaltung seiner Lust. Aus Liebe zu mir muss er ständig Rücksicht nehmen, sich zurücknehmen, verzichten, verstehen.

Darf ich ihm das eigentlich zumuten?

Ende
Foto: Robert Schumah, "Ende"
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Quelle: www.piqs.de
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Zu meinen Lieblingsserien gehört die britische „Misfits“. Mir gefällt unter anderem, wie das Thema Sexualität verhandelt wird. Die „Misfits“ sind eine Handvoll junger Delinquenten, die gemeinnützige Arbeit leisten. Als ein Unwetter die Stadt heimsucht, trifft sie ein Blitzschlag. Bald darauf bemerken sie die sonderbaren übernatürlichen Kräfte, die das Unwetter ihnen beschert hat. Nicht nur sie, sondern – wie sich im Laufe der Serie herausstellt – auch etliche andere Leute sind auf einmal anders.

Ein Aufreißer-Typ hat plötzlich eine Vulva und will seinen Schwanz mit allen Mitteln zurück. Eine Frau erhält die Gabe, ihren Freund alles tun zu lassen, was sie will. Ein Mann kann sich in eine Frau verwandeln und entdeckt dabei nicht nur den sexistischen Chauvinismus seiner Umwelt, sondern auch die weiblichen multiplen Orgasmen (nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: wohl die meisten Gaben oder Kräfte haben nichts mit Sex zu tun. Es gibt auch Figuren, die einfach in der Zeit reisen, sich unsichtbar machen oder Gedanken lesen können).

Eine Protagonistin – Alisha – löst, sobald man sie anfässt, unwiderstehliche Triebe bei ihren Berührern aus. Sie kann diese Macht nicht kontrollieren und als sie eine Beziehung beginnt, geschieht dies unter der Voraussetzung, dass sie und ihr Liebster sich nicht berühren. Sex reduziert sich bei ihnen darauf, sich vor einander zu masturbieren. Es geht nicht lange gut zwischen den beiden und schließlich ist es der sensible, sexuell unterversorgte Außenseiter, der Alishas Herz erobert und einen Weg findet, ihre Macht zu besiegen.

Die Suche nach einem glücklichen Sexleben ist ein immer wiederkehrendes Thema in der Serie. Die Tragik und Verzweiflung, die dieser Sehnsucht eigentlich innewohnt, werden mit Surrealismus und schwarzem Humor konterkariert.

In dieser Sichtweise auf Sexualität, bei der die vermeintlichen Freaks der Standard sind, finde ich mich sehr schön wieder.

 

Drahtesel-Sex und Nicht-Wollen-Sollen

Auf der Suche nach Informationen zu Anorgasmie finde ich im Internet sehr viel Ärgerliches. Darüber werde ich noch berichten. Vorher möchte ich auf den Artikel der SexMedPedia aufmerksam machen, den ich tatsächlich ganz hilfreich finde. Als größter „Orgasmusverhinderer“ wird da die Intentionalität genannt:

Je mehr und je stärker sich die Frau vornimmt, zum Orgasmus zu kommen („heute muss es endlich klappen“), umso schlechter sind meist ihre Chancen. Die „Zauberformel“ dagegen lautet Maximierung der Stimulation und Minimierung der Hemmung bzw. bewussten Kontrolle.

Als ich das las, musste ich an den Film „Mädchen, Mädchen“ denken, in dem eine der Protagonistinnen auch ihre liebe Not mit dem Kommen hat. Zu ihrem Höhepunkt gelangt sie dann ganz unverhofft: auf dem Sattel eines Herrenrennrads (hier ein Link zu der Filmsequenz). Nachdem ich den Film gesehen hatte, nahm ich mit Vorliebe das Fahrrad meines Freundes und die Routen, die mich über möglichst viel Kopfsteinpflaster führten. Passiert ist dann aber leider nichts. Oder nicht viel. Wahrscheinlich waren meine Fahrraderkundungen von zu großer Intentionalität geleitet.

Vom Lieben und Lieben lassen – ohne zu kommen

Zwar kann man auch ohne Orgasmus tollen Sex haben, ganz so easy ist das Leben mit primärer Anorgasmie dann aber doch nicht. Ich bin damit immer sehr offen und ehrlich umgegangen. Einen Orgasmus vorzutäuschen, das hätte ich meinen Partnern gegenüber als unfair empfunden. Am Anfang ist es ja auch nicht ungewöhnlich, dass die Frau nicht kommt. Spaß hatte ich ja dennoch dabei. Und dann, wenn’s langsam ernst wurde und sich eine Beziehung anbahnte, erzählte ich es: „Ich weiß nicht, was ein Orgasmus ist. Ich kann einfach nicht kommen.“ Oft glaubte der Mann, mich „heilen“ zu können („Baby, da bist du bei mir richtig … I’m Mister lover lover.“ – nee, hehe, sowas hat keiner gebracht). Und ich glaubte oder hoffte auch, dass es mit diesem Mann besser würde.

Unser Sexleben kam meistens ungefähr ein Jahr lang ganz gut damit aus, dass ich keinen Orgasmus hatte. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: Man probiert Einiges aus, der Appetit auf den Anderen überkommt einen an den exotischsten Orten – es ist aufregend. Doch nach einigen Monaten flacht der Hormontrip ab. Der Mann fühlt, dass seine „Heilungsmission“ scheitert. Und auch mir reicht der empathische Orgasmus nicht mehr. Es langweilt mich, ihn über, unter oder hinter mir extatisch zusammensacken zu fühlen, während ich auf meinem Ätna der ErregungAmore sitzen bleibe. Und der Ätna will einfach nicht ausbrechen.

Der Sex frustriert mich, und um meinen Frust zu vermeiden, vermeide ich die Lust. Mein Partner spürt meinen nachlassenden Enthusiasmus im Bett. In Gesprächen wird unsere Hilflosigkeit deutlich. Ein paar Versuche mit Champagner und Kerzenlicht oder andere mehr oder weniger einfallsreiche Eskapaden bringen leidenschaftliche Momente. Sie lösen aber nicht das Problem.

Ich fragte mich dann, wie lange es noch gut gehen würde. Wann hätte mein Partner mal wieder Lust auf eine Frau, die abgeht wie eine Rakete in der Silvesternacht? Könnte ich ihm einen Seitensprung verdenken? Oder lag es vielleicht doch an ihm? Sollte ich mir vielleicht einen anderen suchen, der es mir endlich mal wirklich besorgt? Wie wäre es mit dem schwitzenden Bauarbeiter da drüben?

Meine Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet (ok, zumindest nicht, dass ich wüsste). In den Beziehungen, auf die ich zurückblicke, fanden wir andere Wege der Intimität. Der Mensch ist ein homo compensator. Ich bin meinen Partnern sehr dankbar für ihr Verständnis und ihre Geduld. Andererseits hatte ich auch viel Geduld und Verständnis mit ihnen.

Ich habe mich dazu entschlossen, die Suche nach dem Höhepunkt wieder zu starten. Ich tue das nicht für meinen Partner. Naja, ein bisschen schon. Aber nicht aus Angst, verlassen zu werden. Ich tue es für mich. Weil ich nicht aufgeben möchte.

Foto: photino, "Amore"
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Quelle: www.piqs.de

„Es gibt für Frauen auch tollen Sex ohne einen Orgasmus“

Den Satz, der die Überschrift bildet, las ich in dem Blog Der Anna Code. Dort bekommen Männer auf der Suche nach Verführungs-Tipps einigen Input.

In einem durchaus empfehlenswerten Post gibt der Autor eine Anleitung, wie man Frauen zum Höhepunkt bringt. Er räumt dabei jedoch ein – und dafür lobe ich ihn ganz ausdrücklich – , dass es auch Frauen mit Orgamusproblemen gibt und widmet ihnen immerhin drei Abschnitte. Darin schreibt er:

„Wenn du merkst, die Frau kommt nicht zum Orgasmus, dann hör auf, sie wund zu scheuern, es gibt für Frauen auch tollen Sex, ohne einen Orgasmus zu bekommen.“

Diesen Satz hätte ich nie so formuliert, und doch spricht er mir wirklich aus dem Herzen. Ich habe jenes sicher gut gemeinte „Wundscheuern“, das ausdauernde Manifestieren von Stehvermögen, mit dem ein oder anderen Sex-Partner erlebt. Natürlich ist es dann an der Frau, klar zu signalisieren, wann es gewünscht ist, dass der andere einfach mal kommt. Und in vielen Momenten war das Spüren des Anderen, der in mir vollkommen aufgeht in seiner Lust, ebenfalls ein tolles Gefühl. Ich nenne es den empathischen Orgasmus.

Wie wär’s mit einer elektrischen Vagina?

Schalter

Vor kurzem stieß ich auf den Blog Not quite like Beethoven, in dem es um Schwerhörigkeit geht. NqlB beschreibt in einem Blogeintrag sein Ringen mit der Frage, ob er sich ein elektrisches Ohr, also ein Cochlea Implantat, einoperieren lassen sollte. Dafür spräche, dass er damit wieder einfacher mit anderen Menschen kommunizieren könnte. Jedoch wäre es ein Zugeständnis an die Perfektionierung des Körpers durch die Hightech-Medizin (verkürzt ausgedrückt, ich empfehle die Originallektüre). Er befürchtet, dass ihm sein Körper durch das Einsetzen eines solchen Implantats entfremdet würde.

Ich habe mich nach dem Lesen seines Posts und der knapp 70 Kommentare gefragt, was wäre, wenn mir ein Arzt vorschlüge, mir eine elektrische Klitoris zu implantieren. Batteriebetrieben und daher nicht immer einsatzbereit, dafür aber – bei adäquatem Gebrauch und regelmäßiger Wartung – mit Orgasmusgarantie.

NqlB entschließt sich schlussendlich doch für das Implantat und bezeichnet sich selbst damit – nicht ganz ohne Ironie – als Cyborg: teils Mensch, teils Maschine.

Wie wäre es also, wenn ich diesen urmenschlichen Akt – mit meinem Partner körperlich eins werden und dabei in allerhöchste Verzückung geraten – mit Hilfe einer Hightech-Klitoris endlich erleben könnte? Würde ich das wollen?  – Eher nicht. Denn ich hätte das Gefühl, dass es eben nicht meine Lust ist, die da zum Höhepunkt kommt. Sondern lediglich, dass ein elektrischer Mechanismus funktioniert. Den Orgasmus stelle ich mir als etwas Metaphysisches vor, das keine Maschine produzieren kann. Lieber entbehre ich ihn, als dass ich mich einer solchen Gauklerei ergeben würde.

Andererseits: NqlB beschreibt, dass ihm nicht der Hörverlust an sich so zu schaffen macht, sondern die Abschirmung von den Menschen, die damit einhergeht. Auch für mich bedeutet die Unfähigkeit, Sex ebenso zu genießen wie mein Partner, in gewisser Weise Isolation und Einsamkeit. Vielleicht würde ich – auch meinem Partner zuliebe – daher doch einer elektrischen Vagina zustimmen. Und es vielleicht, wie NqlB, noch nicht einmal bereuen.

Foto: Kevin Dooley, „Thingamagoop 2 from Bleep Labs“
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Quelle: www.piqs.de

Darf’s ein bisschen mehr Testosteron sein? Oder wurden Sie vielleicht missbraucht?

Ich war so ungefähr 19 oder 20 Jahre alt, als ich zum ersten Mal mit einem Frauenarzt darüber sprach, dass ich nicht zum Orgasmus komme. Der Arzt kannte mich nicht besonders gut. Seine erste Frage war: „Haben Sie einen älteren Bruder?“ Ich bejahte. „Können Sie sich daran erinnern, dass er sie sexuell missbraucht hat?“

Ich habe und hatte großen Respekt vor dem Arztberuf. Damals dachte ich, wenn der Arzt diesen Verdacht so rasch und so offen aussprach, müsste etwas dran sein. Sowas haut man nicht einfach raus. Natürlich war ich total schockiert. Ich habe einen 7 Jahre älteren Bruder. Dass er sich an mir vergangen hätte, war aber schon eine extrem abwegige Vorstellung.

Das sagte ich dem Arzt, der dann allgemeine Phrasen drosch von sexuellem Missbrauch, der am häufigsten im Familienkreis auftrete, von Traumatisierung und Gedächtnisverlust. Ich glaube, ich saß einfach nur heulend da.

Schließlich verschrieb er mir – ohne irgendwelche Hormontests durchzuführen – Testosteron. Ich ging mit dem Rezept zur Apotheke und erhielt ein frisch angerührtes Tiegelchen mit testosteronhaltiger Vaseline. Die schmierte ich mir täglich auf die Innenseite der Oberschenkel. Das Ganze kam mir recht unnütz vor und ich vermutete ein Placebo-Präparat. Heute hätte ich sofort eine Google-Suche gestartet und herausgefunden, dass man Testosteroncremes Frauen in der Menopause verschreibt, die über Libidoverlust klagen.

Als ich meinem damaligen Freund von der Creme erzählte, nahm er’s mit Humor. Er wachte wohl jeden Tag mit der Erwartung auf, dass mir über Nacht ein Schnurrbart gewachsen wäre. Oder dass ich ihn beim Sprint zum Bus überholen würde. Dies trat nicht ein. Auch meine Libido zeigte sich von der Testosteron-Schmiererei recht unbeeindruckt.

Dafür hat mich der Arzt mit seinem Missbrauchs-Verdacht – gelinde gesagt – nachhaltig verunsichert. Ich grübelte Jahre lang immer wieder, ob ich nicht doch ein traumatisches Erlebnis hatte, das ich vollkommen verdrängt hatte (heute halte ich das für Unsinn).

Ich habe seine Praxis nie wieder betreten. Ich denke, der Frauenarzt handelte verantwortungslos. Anstatt mich zu beruhigen, vermittelte er mir, mir sei etwas Schreckliches passiert, ich trüge ein dunkles Geheimnis in mir, das noch nicht einmal ich selbst verstand. Er hatte offensichtlich keine Ahnung von der Thematik und hätte mich – ohne seine unausgegorenen Gedanken zu äußern – an jemanden verweisen sollen, der sich mit sowas auskennt.